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Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Sulzdorf a.d.L. und seiner Ortsteile Obereßfeld, Sternberg, Zimmerau, Schwanhausen, Serrfeld und Brennhausen 


Kurzfassung der Geschichte der zur Gemeinde Sulzdorf gehörenden Gemeindeteile

Von Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert


Das Wappen der Gemeinde Sulzdorf a. d. L.

 

 


Historische Ansichtskarten aus der Gemeinde Sulzdorf a.d.L.

 

Sulzdorf um 1930

 

Obereßfeld um 1890

 

Sternberg um 1890

 

Zimmerau um 1930

 

Serrfeld um 1930 

 

Schwanhausen um 1900

 


Brennhausen um 1900


Was bedeutet eigentlich der Name Lederhecke?

 

Geheimnisvolle Lederhecke reichte einst bis Poppenhausen

 

Die häufigst gestellte Frage eines Fremden zur Gemeinde Sulzdorf ist: Was bedeutet eigentlich der Name Lederhecke? Nachfolgend der Versuch, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen:

 

Die Lederhecke ist ein bewaldeter Höhen­zug, der etwa zwischen der thüringischen Gemeinde Schweic­kershausen und der unterfränkischen Gemeinde Sulzdorf liegt. Die Grabfeldgemeinde trägt deshalb als Beinamen zur Unterschei­dung zu zahlreichen Orten gleichen Namens die Bezeichnung "an der Lederhecke".

Der Name Lederhecke war ursprünglich nicht auf die heutige Flurgemarkung beschränkt, sondern reichte viel weiter. Noch 1789 wird z.B. Poppenhausen in Thüringen, etwa 15 km weiter östlich, als in der Lederhecke liegend bezeichnet. Aus dem Jahre 1799 ist überliefert: "Ein schmaler, größtenteils zum Kanton Baunach gehöriger Distrikt, wird nicht nur in der Volkssprache, sondern selbst auf Briefen die Lederhecke ge­nennt. Ihr liegt gegen Mitternacht das Sachsen - Hildburghausi­sche Amt Heldburg, gegen Abend das Würzburgische Amt Königsh­ofen, und in Ansehung der zwei übrigen Weltgegenden wird sie von Baunachischen Ortschaften eingeschlossen. Die Bewohner der Lederhecke sind, einzelne Köpfe ausgenommen, durchgehend Prote­stanten. Der Boden, der sie nährt, bestehet meistens aus Sand, und steht daher dem fetten Boden des Grabfeldes an Fruchtbar­keit weit nach."


 

Die Lederhecke zwischen Sulzdorf und Ermershausen grenzt an die B 279.


In einem weiteren Bericht aus dem Jahre 1799 wird berichtet: "Die Lederhecke ist ein meistens mit Laubholz bewachsener Wald­strich, der ohngefähr zwey Stunden lang, und eine Stunde breit ist. In demselben liegen etliche Orte, und zwar Schwanhausen, Zimmerau, St. Ursula, Dippach, Sternberg, Alsleben, Gomperts­hausen, Albingshausen, Rieth, Schweickershausen, Ermershausen und Birkenfeld sowie Schweinshaupten, Neuses, Serrfeld, Sulz­dorf. Die Lederhecke führt schon etliche hundert Jahre diese Benennung."


Das in dem Beinamen enthaltene "Leder" bezieht sich keineswegs auf das gebräuchliche Wort, sondern leitet sich von Lehmwasser, Lehmschlamm oder Sumpf ab. "Heeke" oder "Heek" für Hecke sind alte Bachnamen. Lederhecke dürfte sich also von Schlammgewässer ableiten. Schwer erklärliche Flurnamen sind übrigens verdäch­tig, recht alt zu sein. 

Der bekannte Heimatforscher Pfarrer Erwin Sturm vertritt in ei­nem Schreiben an den Verfasser vom 20.7.95 die Auffassung, daß man den Namen "Lederhecke" durch Epenthese (Lauterweiterung) aus Laerhecke, Larhecke ableiten könne.  Das Bestimmungswort komme dann entweder vom althochdeutschen Lari = leer, unbebaut, unfruchtbar, Ödland, Weideland. Oder durch Synkope (Silben- oder Lautschrumpfung) aus dem ahd. Legar = Lager, Viehsammel­platz, Geheege, Weideplatz. Lederhecke/Laerhecke wäre dann ein "Weidewald" (alle Wälder dienten früher als Weideallmende).

Kaum zutreffen dürften folgende Namensdeutungen: Das Bestim­mungwort Leder sei verderbt aus Lehde, für wüst liegendes Land. Das Grundwort Hecke könne man als Grenzhecke deuten, da hinter dem Waldstück die thüringisch/fränkische Landesgrenze verläuft. Lederhecke heiße somit "Grenzhecke bei dem wüst liegenden Land".

Auf dem Hügel bei der Lederhecke sollen früher zahlreiche Ei­chen gestanden haben, deren Rinde bis nachweislich 1920 in eine nahegelegene Lohmühle gefahren wurde. Damit wurde ein Stoff ge­wonnen, die Lohe genannt, der beim Gerben des Leders Verwendung fand.

Behauptet wurde ebenfalls, "Laterhecke" solle soviel wie "Grenzlandwehr", Grenzgrabenwehr oder Landwehr bedeuten, somit "Sulzdorf an der Landwehr".

Eine weitere vermutlich nicht zutreffende Erklärung ist die Ab­stammung des Wortes von Latenhecke oder eigentlich Galatenhege, d.h. Hege (= Grenze) der Galaten (= Kelten), also etwa Grenz­land der Kelten. 

 


Historische Karte der Lederhecke aus der Zeit um 1599.

 

Geleit in der Lederhecke

In alter Zeit ereigneten sich in der Lederhecke zahlreiche Überfälle. Räuber oder Wegelagerer heißt auf lateinisch latro. Lederhecke könne als "Latro-Hecke", also Räuberhecke gedeutet werden. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts soll im Volk noch die Erinnerung an eine Räuberbande lebendig gewesen sein, wie überliefert ist. 1799 wurde niedergeschrieben: "...was die Si­cherheit betrifft hatte die Lederhecke nicht wie jetzo einen guten Ruf." So mußte z.B. 1513 Bäckern "uff der Lederheckenn" Schutzgeleit gegeben werden.

Über diesen Geleitschutz berichtet das um 1600 angelegte Würz­burger Salbuch: "... daß Kärrner (Fuhrleute) oder andere Perso­nen über die Lederhecken ziehen und Geleits halben jemand bei sich haben wollten. Alsdann begehren sie an dem Schultheiß zu Alsleben, welches unseres gnädigen Herren nächstes Dorf vor der Lederhecken an der Straß ist, er soll ihnen Leut zugeben. Das tut er und verordnet ihnen aus der Gemeind soviel Personen, als sie haben wollen."

Es muß auffallen, daß nicht Sulzdorf als das der Lederhecke un­mittelbar vorgelagerte Dorf erscheint. Der Grund ist, daß der Ort nicht würzburgisch war und der Landesfürst deshalb über die dortigen Bewohner nicht verfügen konnte.

1586 wird über Raubgesellen berichtet, die "auff der Lederhec­kenn bei Sternberg" einen Fußgänger erschlugen und bei ihm 25 königliche Taler erbeuteten. Später raubte die Bande, deren An­führer Hans Pfeuffenjecklein war, abermals im Gebiet der Wal­dungen an der Lederhecke einem Fußgänger 22 Gulden. Kurz darauf erschlugen sie bei Königshofen einen weiteren Wandersmann. Auch im darauffolgenden Jahr 1587 kreuzten sie im Gebiet der Leder­hecke auf und raubten bei Ermershausen einer Person 15 Gulden.

Die Bande verübte noch viele andere Greueltaten, tauchte bald da, bald dort auf. Das Gebiet der Lederhecke, das damals ein recht unsicheres Gelände für Reisende gewesen sein muß, scheint sie besonders angezogen zu haben. 

Der Pfeuffenjecklein übrigens wurde am 17.7.1588 zum Tode durch Rädern verurteilt. Bei lebendigem Leib brach man in einem sol­chen Fall dem Todeskandidaten mehrmals Arme und Beine durch Überfahren, band den schwer verstümmelten Körper auf ein Rad und steckte diesen auf der Richtstätte zur Abschreckung auf einen Pfahl. So fand ein Räuberleben ein qualvolles Ende.

                                                                          

Reinhold Albert  


Sagen aus Sulzdorf und seinen Gemeindeteilen Sulzdorf a.d.L.
 

Die Hexen in der „Walbelesnacht“

Nach alter Überlieferung reiten die Hexen in der „Walbelesnacht“ (1. Mai) von einem Kreuzweg aus zum Tanze auf den Blocksberg und richten dabei manchen Schaden an der jungen Saat an.

Um sie zu vertreiben, zogen früher die Burschen des Dorfes nach Einbrechen der Dunkelheit mit Peitschen in die Flur. Soweit ihr Peitschenknallen zu hören war, waren die Saaten vor den Satansweibern geschützt.

 

Die Feuermänner

„Im Grund“ leben die Feuermänner. Sie bringen den nächtlichen Wanderer vom Wege ab, führen ihn in die Irre oder locken ihn gar ins Wasser oder in den Sumpf.

Als sie einmal in einer stockfinsteren Nacht an einem Fenster klopften und etwas zu essen verlangten, reichte man ihnen ein Stück frisch gebackenen Käsekuchen hinaus.

Da er ihnen aber wahrscheinlich nicht zusagte, ließen sie ihn auf dem „Triet“ liegen. Doch wo sie ihn angefaßt hatten, waren die Abdrücke ihrer fünf Finger eingebrannt gewesen. 

 

- Ansichtskarte von Sulzdorf aus dem Jahre 1925 -

 

Der graue Reiter im Tränklesholz

Im Tränklesholz begegnet man zuweilen einem grauen Reiter auf einem schneeweißen Pferd, aus dessen kaffeetassengroßen Nüstern Funken fahren. Das Schrecklichste jedoch ist, daß der Reiter seinen Kopf unter dem Arm trägt; dabei glotzen die Augen den erschreckten Betrachter ganz fürchterlich an.

 

Der schwarze Hund vom „Stundstee“

Wer von Obereßfeld her kommt, merkt mit Grausen, daß ihn ein großer schwarzer Hund begleitet. Bald ist er hinten, bald ist er vorne, oder er schlägt einen Kreis. Aus seinem Maule hängt die rote lange Zunge heraus, und mit funkelnden Augen sieht er den nächtlichen Wanderer an. Am „Stundstee“ (Stundenstein) verschwindet er dann wieder lautlos.

 

Der Fuhrmann-Schreck

Am Wurzbacher Hügel hat es ein großer, dürrer Mann auf die Fuhrleute abgesehen. Er setzt sich, wie ein müder Wanderer, auf die „Lamberstange“. Die Pferde müssen dann ihre ganze Kraft aufbieten, um den Wagen fortzubewegen, bis sie ins Schwitzen kommen.

Stößt der Fuhrmann dann einen kräftigen Fluch aus, ist der Platz auf einmal wieder leer.

 

Das seltsame Pfeifen

Auf dem Weg von Serrfeld nach Sulzdorf, etwa in der Hardhöhe, vernimmt man oft ein seltsames Pfeifen. Wer stehen bleibt und sich umsieht, erhält eine kräftige Ohrfeige.

Manchem soll dort auch schon eine schwarze oder weiße Katze aufgehuckt sein, deren Gewicht immer größer wird. Beim Mahlesberg springt sie dann wieder ab.

 

Der verbannte Bäckermeister

Im Dorfe lebte ein wohlhabender Bäcker, dem auch das schönste Haus und die besten Äcker gehörten. Auch über seine Familie hätte er glücklich sein können. Aber er war hart gegen sie, sein Gesinde und besonders gegen die Bettler und Armen, die er grob vor die Türe wies. Nach einer Mißernte verlangte er sogar, obwohl er genug Vorräte hatte, sündhafte Wucherpreise.

Wegen seiner Hartherzigkeit wünschten viele dem Geizhals nach seinem schnellen Tode, daß sein Geist keine Ruhe findet.

Auf vielerlei Weise machte sich dann auch der ruhelose Geist überall im Haus bemerkbar, so daß kein Knecht und keine Magd mehr bleiben wollten.

In ihrer Verzweiflung wandte sich die Witwe, auf Anraten, an den Schlotfeger in Königshofen, der die Gabe haben sollte, die bösen Geister zu bändigen. Er half ihr, indem er sich eines Abends in eine Kammer des Hauses gesetzt und aus einem Buche die Zauberformel las. Bis gegen Mitternacht hörte man von außen dann ein lautes Poltern und ein schauerliches Geheul - Geräusche eines erbitterten Zweikampfes.

Gegen Morgen aber lenkte der Schlotfeger - etwas müde zwar - seine Schritte zur Lederhecke, dem Grenzwald zwischen Ermershausen und Sulzdorf, auf den Schultern einen Sack, den er dort in einem abgesteckten Kreise öffnete. Aus ihm schlüpfte ein kohlrabenschwarzer Gockel, der im Augenblick verschwunden war.

Der Geisterbanner erzählte, daß es ihm gelungen sei, den ungebärdigen Geist des Bäckers in die Gestalt eines Hahnes zu zwingen. In der Lederhecke habe er ihm einen Kreis angewiesen, den er nicht überschreiten dürfe.

Die Waldabteilung führt den Namen „Mähd“, dort hätten verschiedene schon das Krähen des Bäckermeisters vernommen.

 

 

STERNBERG

 

Walpurgisnacht

Auf dem Büchelberg bei Sternberg hatten die Hexen ihren Tanzplatz. Dort tollten sie herum, und dort verwünschten sie die Saat, daß sie nicht wachse.

Um die Hexen zu vertreiben, stiegen in früherer Zeit zur Walpurgisnacht die Sternberger Burschen auf den Büchelberg und knallten fest mit den Peitschen. Unten im Dorf schrieb man zur gleichen Stunde mit Kreide an jede Tür ein Kreuz, um den bösen Hexen Eintritt zu verwehren.

 

Der ruhelose Ritter

Einer der Sternberger Ritter war ein rauher Geselle. In der Lederhecke lauerte er auf die Ellenreiter, und sonntags ritt er mit seinen Knechten auf die Jagd, statt die hl. Messe zu besuchen.  Zur Strafe fand er nach seinem Tode keine Ruhe im Grabe und muß im Wald umherziehen. Dort ist noch manchmal ein Toben und Schreien zu hören; das ist er und sein wildes Heer.

 

Spuk im Schloß

Im Schlosse Sternberg ist ehedem eine Weiße Frau umgegangen. Sie erschien jede Nacht zwischen 11 und 12 Uhr und zog lautlos durch die Ankleidezimmer. Manchmal tauchte auch eine Anzahl anderer Geister mit auf. In samtenen Kleidern schwebten sie durch die Räume. Punkt 12 Uhr aber war immer der ganze Spuk verschwunden. Das ging so lange, bis sie einer der früheren Schloßbesitzer verbohren ließ.

 

Das Mostbartala

In den Erdgeschoßfenstern des Sternberger Schlosses zeigt sich manchmal das Mostbartala. Es ruft: „Pssst! Psst!“ Wenn dann die Leute aufschauen, sehen sie ein kleines, silberweißes Männlein. Meistens laufen die Menschen schreckerfüllt davon.

Mostbartala war zu Lebzeiten herrschaftlicher Kellermeister. Er war somit der Hüter der herrschaftlichen Weinflaschen. Gar manche hatte er heimlich genommen und versteckt. Überraschend traf ihn der Schlag. Vor seinem Tode wollte er den Umherstehenden noch sein Versteck mitteilen. Aber niemand verstand ihn mehr. So hat der ungetreue Kellermeister im Grabe keine Ruhe gefunden.

 

Der gebannte Dieb

Ein Sternberger Salzfuhrmann fuhr  öfters von Hildburghausen nach Haßfurt. In einer bestimmten Ortschaft unterwegs, verschwand immer eine Kette von seinem Wagen. Der Fuhrmann war nun scharf auf die Entdeckung des Diebes. Als der wieder einmal heimlich anschlich, sagte der Fuhrmann sein Bann-Sprüchlein, und der Dieb konnte nicht von der Stelle. Der Fuhrmann verprügelte ihn ordentlich und sagte dann erlösend sein Sprüchlein rückwärts. Nun war der Bann aufgehoben, und der Dieb konnte gehen und war mit dieser Art Strafe recht zufrieden.

 

 - Der Nixenbrunnen in der Teufelskammer -

 

Die Sage vom Nixenbrunnen

In der Nähe von Sternberg ist der Nixenbrunnen. Manchmal wird er auch Teufelsbrunnen genannt. Die Kinder fürchteten sich vor ihm, denn sie glaubten, hier wohnen die Wassernixen und diese zögen sie hinunter in ihr Wasserreich, wenn sie recht unfolgsam gewesen waren. Und welches Kind hat hier ein reines Gewissen?

Dieser Brunnen spielte eine wichtige Rolle in einer traurigen Geschichte. Vor langer Zeit lebte in Sternberg ein armer Bauernbursch. Eigentlich hieß er Robert, aber weil er so fleißig war, nannten ihn alle Leute nur die „Ameise“. Er war frühzeitig Waise geworden. Da er armer Leute Kind war, hatte er fast gar nichts geerbt, und so mußte er als Knecht sein Brot verdienen. Beim reichsten Bauern des Dorfes trat er in den Dienst.

Der Bauer war ein Geizhals. Dem Robert ging es nicht gerade gut. Aber die Marianne, das gutherzige Töchterlein, hatte ihm ihr Herz geschenkt. Als der Knecht nun vor seinen Herrn trat und um die Hand der Tochter bat, wurde er mit Schimpf und Schande abgewiesen. „Kommst du mit einigen Tausendern wieder, sollst du mir als Schwiegersohn recht sein!“ rief ihm der Bauer nach.

Die jungen Leute trafen sich nun nur noch heimlich, und zwar am Nixenbrunnen, weil sie glaubten, daß sie von niemandem an diesem verrufenen Ort überrascht würden. Als sie wieder einmal recht traurig beisammensaßen, stieg aus dem Wasser eine Nixe und sprach die beiden an. Warum sie so traurig seien, sie helfe gerne guten Menschen. Da erzählten die beiden nun ihr Leid. Die Wasserfrau bestellte daraufhin den Robert für die nächste Mitternacht wieder zu sich an den Brunnen. Dann solle er mit ihr in ihr Wasserreich steigen und sich von ihren Schätzen aussuchen, so viel er brauche.

Hinter einem Baume hatte diesmal der Bauer gelauscht. Zuerst wollte er dazwischenfahren. Als er aber die Rede der Wassernixe vernommen hatte, schlich er leise von dannen. Den nächsten Tag schickte er Frau, Tochter, und Knechte in die Stadt. Vor Mitternacht würden sie sicherlich nicht zurückkommen; dafür hatte er gesorgt.

Zur vereinbarten Stunde zog er des Knechtes Kleider an und  schlich zum Brunnen. Schlag 12 Uhr tauchte die Nixe auf, winkte ihm, und der Bauer stieg an des Knechtes Stelle mit ihr in die Unterwelt. Die Wasserfrau aber erkannte den Falschen und ließ ihn nicht mehr an die Erde.

Wohl war Trauer eingezogen auf dem Bauernhof, doch nur für kurze Zeit. Marianne und Robert konnten nun zueinander finden und führten ein glückliches Leben.

 

Der Geist im Gratholz

Vor langen Jahren kam eines Tages spät in der Nacht ein Metzger mit seinem Hunde zum Wirt von Sternberg. Er wollte hier übernachten, da draußen stockfinstere Nacht war. Bevor er auf sein Zimmer ging, trank er noch einige Schoppen Frankenwein. Dabei sah der Wirt die reich gefüllte Geldkatze. Das lockte ihn. Kein Mensch hatte ihn kommen sehen, niemand wußte von seinem Hiersein.

In der tiefen Nacht schlich der Wirt in das Zimmer des schnarchenden Gastes und ermordete ihn samt den Hund. Die Leichen verscharrte er im nahen Wald, und das Geld nahm er an sich. Doch ganz so heimlich, wie es der Wirt gedacht hatte, ging es nicht. Im Gratholz stand lange Jahre des Nachts der Metzger an einem Baum, seine schreckliche Wunde war gut zu erkennen. Kam ein Wanderer vorbei, sprang der Hund mit glühenden Augen und feurigem Atem herbei, als wollte er die Leute darauf aufmerksam machen, daß sein Herr ein christliches Begräbnis bräuchte.

 

Der Feuermann

Vor einem guten Jahrhundert war es, da gingen sechs Sternberger Burschen in den Wald bei der Heckenmühle, um einen Maibaum zu holen. Sie suchten sich einen mit einem schönen Stamm aus, fällten ihn und machten sich mit ihm auf den Heimweg. Als sie ihn ein Stück  getragen hatten, wurde ihnen die Last plötzlich so schwer, daß sie nicht weiterkonnten. Da wußten sie, daß der Feuermann auf dem Baume saß. Sie riefen ein paar kräftige Flüche, und der Feuermann sprang herunter. Den Baum nahmen sie nun wieder auf; er war leicht wie vorher.

 

Die Irrwurzel

An einem Abend war es, als einmal der Heckenmüller Adel mit seinem Fuhrwerk von Sternberg aufbrach, um wieder nach Hause zu fahren. Bei der Greutwiese fuhr er auf eine Irrwurzel und konnte nicht mehr weiter. So sehr er auch die Pferde antrieb, er konnte sie nicht von der Stelle bringen. Schweißgebadet standen sie festgebannt. Erst am nächsten Tag gegen Mittag kam er heim.

 

Die Erlösung eines Gespenstes

Zur Zeit des Schwedenkrieges kam ein Sternberger von auswärts heim. Da er keine Heimstatt mehr hatte, übernachtete er beim Sternberger Wirt. Der behielt ihn zwar, sagte aber, daß es in dem Zimmer umgehe.

Der Gast war unerschrocken und lachte nur über das dumme Zeug. Mit zwei Kerzen stieg er nachts hinauf in sein Zimmer. Um 12 Uhr öffnete sich leise die Türe, und ein kleines Männlein kam hereingeschlichen und legte Rasiergerät auf den Tisch.  Dann winkte es dem Gast und zeigte auf den Stuhl. Der hatte keine Lust, sich rasieren zu lassen und blieb im Bett liegen.

Immer dringlicher wurde das Winken des Kleinen und drohender seine Gebärden.  Als er das dritte Mal gewunken hatte, dachte sich der Gast als kleineres Übel, sich zu fügen. Es stand auf und setzte sich auf den Stuhl in der Mitte des Zimmers, und das Männlein rasierte ihn so fein und vorsichtig, wie er selten bedient worden war. Als es damit fertig war, sagte der Geist voller Freude. Er habe ihn erlöst, so daß er nicht mehr umgehen müsse.

 

Die wirksame Rita-Rose und der Teufel

In Sternberg wurde erzählt, eine Bundorfer Frau lag im Krankenhaus und konnte nicht sterben, weil sie der Teufel plagte. Die Schwester schickte alle anderen Kranken aus dem Krankenzimmer hinaus und legte eine Rita-Rose unter das Kopfkissen der armen Sterbenden. Da trat allmählich Ruhe ein, und still und friedlich starb die Frau. Als man die Rita-Rose unterm Kopfkissen suchte, war sie verschwunden. Erst nach langem Suchen fand man sie in der Holzhalle. Sie hatte den Teufel zum Haus hinausgetrieben. 

 

Das Männchen am Steinernen Kreuz

Vor langer Zeit fuhr ein Mann aus Sternberg mit seinem Fahrrad heim. Es war schon Nacht geworden. Als er in die Nähe des Steinernen Kreuzes kam,  merkte er, daß im Lichtkegel seiner Lampe ein kleines Männchen auf der Straße herumhüpfte. Der Mann fuhr in seiner Aufregung immer rascher. Aber auch das Männchen wurde immer frecher. Auf einmal sprang es dem Arbeiter auf die Lenkstange. In seiner Angst faßte sich der Mann doch ein Herz und schrie: „Was willst du  hier?“ Das Männchen verschwand wie der Blitz, doch mit einem unheimlichen  Rauschen in der Luft.

 

 

BRENNHAUSEN

 

Schloßgespenster in Brennhausen

Das Schloß Brennhausen muß in alter Zeit ein Kloster gewesen sein. Wenn man auch heute nichts mehr davon weiß als die Flurnamen „Nonnenäcker“ und „Pfaffenpfad“, in der Nacht kann man es erleben. Zur bestimmten Stunde treten plötzlich Nonnen aus der Wand, wandeln versunken immer denselben Weg durch die Zimmer und verschwinden dann langsam wieder im Gemäuer.

Pfarrer Josef Stöger schrieb 1951 in seiner Pfarreigeschichte von Untereßfeld: „Am 7. Mai 1940 wurde Freiherr Baron von Bibra auf dem Friedhof von Untereßfeld bestattet. Ich besuchte ihn in den letzten Jahren öfters. Geschichtliche Aufzeichnungen hatte er keine. Er sprach die Vermutung aus, daß dieses Schloß in frühesten Zeiten ein Nonnenkloster gewesen sein müsse. Auch versicherte er mir wiederholt und ganz bestimmt trotz meines Abredens, er hätte einige Male Nonnen umgehen sehen im Schlosse, und beschrieb mir auch den Weg, den diese Geister gegangen seien, zeigte das Zimmmer und wie sie dann durch die Wand gegangen seien, da, wo jetzt noch in der Mauer die Spuren einer ehemaligen Türe ins Freie zu sehen ist.“

 

 - Schloss Brennhausen -  

 

Der verlorene Grenzstein

Als eines Tages die Bewohner von Brennhausen von der Kirche heimgingen, sahen sie ein kleines Männlein, welches einen Grenzstein auf dem Rücken trug. Es murmelte immer: „Ich weiß nicht mehr, wo er war? Ich weiß nicht mehr, wo er war?“ Da sprach es einer an, da wußte es das Männlein wieder und ward nicht mehr gesehen.

 

Die neidischen Siebener

Wo die Flurgrenzen von Obereßfeld, Sulzdorf und Brennhausen zusammentreffen, kreuzen sich vier Wege. Früher gab es im Wald keine Grenzsteine. Man sägte Bäume ab und ließ hohe Stöcke stehen. Diese dienten als Grenzstein.

Es wird erzählt, neidische Siebener hätten diese Stöcke ausgegraben und die Grenze weiter in den Nachbarwald versetzt. Für diese Tat wurden sie schwer bestraft. An diesen Stellen hat man sie als Geister gesehen, obwohl sie schon gestorben waren. Ihr Heulen hörte sich in der Luft an wie wilde Musik.

Am deutlichsten ist sie im Frühjahr zur Zeit der Grenzgänge zu hören. Ein Jäger wollte an dieser Stelle jagen. Da hörte er plötzlich Musik. Aber er sah niemanden. In dieser Angst schoß er in die Luft. Nach einer Weile stand vor ihm ein Sarg.

Ein anderer Jäger wollte an dieser Stelle einen Hasen jagen. Er sah ihn deutlich vor sich sitzen. Er legte an, doch der Hase war verschwunden. Der Jäger hat ihn jedoch nicht springen gesehen.

 

Das Wilde Heer im Rotreissig

Von älteren Leuten wird berichtet: Vor vielen Jahren soll in der Waldabteilung Rotreissig von arbeitenden Leuten in der Mittagsstunde Musik gehört worden sein. Niemand konnte sich erklären, wo die Musikkapelle sein könnte. 

Mehrere Leute wollen sogar ein heftiges Brausen über sich vernommen haben. Sie vermeinten, es wäre vielleicht das Wilde Heer gewesen. Weil nun niemand etwas Genaues sagen konnte, setzte sich die Sage durch, daß die alten Raubritter und Besitzer des Schlosses wegen ihres zügellosen Lebens mit ihrem Gefolge durch die Gegend wandern. Ein Pächter des Hofgutes Brennhausen berichtete: Als er abends noch einmal in den Stall gehen wollte, sah er den ehemaligen Besitzer des Schlosses, der schon längst gestorben war, über den Hofplatz gehen.

 

 

OBEREßFELD

 

Das Ganerbendorf

Im Mittelalter waren die Bauern nicht die Besitzer ihres Hofes. Den hatten sie nur von den Dorfherren geliehen bekommen. Ihm lieferten sie den Zehnt ab und leisteten den  Frondienst.

Obereßfeld gehörte nicht einem Herrn, sondern mehrere Adelige teilten sich in den Besitz. Es war ein Ganerbendorf.

 


- Am Salzloch führt die Höllenmauer vorbei -

 

Die Höllenmauer

Quer durch das Grabfeld zieht sich geheimnisvoll ein Steingeschiebe seltsamer Art. An den meisten Stellen ist es nur drei Fuß breit, dafür wurde aber manchen Orts eine Tiefe von 13 Fuß gemessen. Obwohl es immer wieder im Boden verschwindet, konnte sein Verlauf festgestellt werden. Bei Gleichamberg ist sein Anfang. Es zieht sich weiter nach Linden, Trappstadt, Sternberg, an der Heckenmühle bei Obereßfeld vorbei, nach Brennhausen, Eichelsdorf und verliert sich schließlich im Steigerwald.

In grauer Vorzeit hat der Teufel diesen Steingang geschaffen;  denn die Leute sprechen von ihm nur als Teufels- oder Höllenmauer.

Und dies kam so: Der Satan wettete mit dem Schöpfer, er könne zwischen elf Uhr nachts und dem ersten Hahnenschrei eine Mauer rund um die Erde errichten. Wenn es ihm gelänge, müsse er ein Stück Erde als sein eigen bekommen. Zum Glück wurde er aber nicht fertig. Da zerstörte er im Zorn sein Werk, daß nur die Trümmer übrigblieben.

 

Warum die Kirche so weit vom Dorf steht

Weil die alte Kapelle von Obereßfeld zu klein wurde, entschloß man sich, an ihre Stelle eine große Kirche zu bauen. Über den Bauplatz konnten sich die Obereßfelder jedoch nicht einigen. Die Bewohner des nördlichen Dorfteiles wollten die Kirche auf den anmutig gelegenen Kaulberg in unmittelbarer Nähe ihrer Häuser errichten, während die südlichen Dorfbewohner die Stelle der alten Klauskapelle bevorzugten, weil ihnen dieser Platz seit alters her geheiligt erschien.

Die Anhänger der Kaulbergkirche gingen mit großem Eifer an die Ausführung ihres gefaßten Planes und schafften bereits allerlei Baumaterial auf den Berg. Aber, oh Wunder, soviel Holz und Steine sie auch bei Tage auf die Höhe trugen, am nächsten Morgen lag das gesamte Baumaterial im Klausgrund an der Stelle der heutigen Klauskirche. Nun sahen die eifrigen Ortseinwohner ein, daß ihr Beginnen vergebliche Arbeit sei, und sie ließen ab von ihrem Plan.

Einmütig errichtete man nun die Kirche im Klausgrund, und kühn ragt der stolze Juliusturm auf den Schultern der alten Klauskapelle in die blaue Luft, den Bewohnern Obereßfelds ein ernster Mahner, ihr Herz und Gemüt zu dem zu erheben, der ihr Dorf und ihre Flur beschützt.

 

In einer weiteren Version der Sage, 1932 vom Obereßfelder Lehrer Ullrich niedergeschrieben, wird berichtet: Die Obereßfelder ärgerten sich, daß das Baumaterial über Nacht verschwunden war. Sie glaubten an einen Streich der Untereßfelder, weshalb sie des Nachts wachten. Übermüdet schliefen sei ein, erwachten jedoch von verdächtigen Geräuschen. Wie staunten sie aber, als sie sahen, daß Steine und Holz von unsichtbaren Händen durch die Luft getragen wurden und am Nicklashügel lautlos niedergelassen wurden. Da fügten sich die Obereßfelder dem klar erkannten Willen Gottes und bauten ihre Kirche dorthin an den Nicklashügel, wo sie heute noch steht.

 

Das Männlein im Rotreissig

Nach einer alten Sage wurde auf dem Grenzweg im Rotreissig ein altes kleines Männlein gesehen. Das Männlein trug auf dem Rücken ein großes dickes Buch. Es lief auf dem Grenzweg zwischen Obereßfeld und Sulzdorf hin und her. Anscheinend hatte es zu Lebzeiten auch den Grenzstein gesetzt.

 

Der Huimann von Obereßfeld

In der Waldabteilung „Rotes Reisig“ bei Obereßfeld haust der Huimann. Es ist ein Geist, der dort umgeht. Zu Lebzeiten war er Forstbediensteter, dem die Obhut über dieses Revier anvertraut war.

Eines Tages kam es im Streit über das Besitzrecht dieses Waldstückes zwischen der Gemeinde Obereßfeld und dem Staat zur öffentlichen Verhandlung. Der Förster mußte schwören und tat dies meineidig, indem er Eßfelder Boden in seine Schuhe tat und dann schwur: So wahr Gott über mir ist und Eßfelder Boden unter mir, gehört dieser Wald den Obereßfeldern.

So wurde der Wald den Eßfeldern zugesprochen. Als der Meineidige bei einem Gewitter an jener Schwurstelle vorbeigehen wollte, wurde er von einem Blitzstrahl getroffen und war sofort tot. Zur Stafe für seinen Meineid muß er nun als wilder Jäger oder als wilder Mann, eben als Huimann,  im Wald umgehen und ist im Hui bald hier bald dort und kann nirgends Ruhe finden. Oft ist er auch nicht allein, sondern rast mit einer ganzen Meute durch den Wald als wilde Jagd.

 

Die Musik am Bundorfer Weg

Um die Mittagsstunde soll man am Bundorfer Weg eine Musik spielen hören. Folgendes wird darüber erzählt: Ein Mann aus Sulzdorf hätte einen Teil des Obereßfelder Waldes weggeschworen. Da haben ihn die Sulzdorfer Bürger mit Musik nach Hause gespielt. Seit er gestorben ist, geht er nun an dieser Stelle alle Tage um 12 Uhr am Mittag um.

 

Das Obereßfelder Schloß

Im Dreißigjährigen Krieg sollen die Schweden das Schloß in Obereßfeld angegriffen haben. Aber vom Schloß aus soll ein unterirdischer Gang zu den Quistenbergen geführt haben.

Durch diesen Gang  sind die Schloßbewohner geflüchtet. Als die Schweden in das Schloß eindrangen, fanden sie es leer, und sie glaubten, es wäre ausgestorben. Daraufhin zogen sie weiter und ließen das Gebäude unbeschädigt. Die Bewohner begaben sich wieder durch den Gang in das Schloß zurück.

 

Das Salzloch

Einst tobte ein furchtbarer Krieg über das Land. Das Schloß von Sternberg wurde bedroht. Kein Mensch wollte flüchten. Ein Ritter wagte es. Durch einen unterirdischen Gang ritt er der Heckenmühle zu.

Doch plötzlich merkte er, daß sein Pferd immer langsamer wurde. Er sprang herunter, doch schon stand er bis zu den Knien im Sumpf. Ein großer Wasserstrudel schoß heraus, und Reiter und Pferd mußten einen jämmerlichen Tod erleiden. Das Wasser vermehrte sich schnell und bahnte sich einen Weg nach Obereßfeld.

Als die Menschen von dem Wasser kosteten, merkten sie, daß es sehr salzig schmeckte. Sie nannten daher die Quelle das „Salzloch“.

 

Neben dem Salzloch gibt es in Obereßfeld noch das sog. Trinkbrünnla am Schützenheim.

 

Zwerge im Salzloch

Es wird erzählt, daß im Salzloch Zwerge hausen. Man käme zu ihnen, wenn man durch das Salzloch ginge. Drinnen kommt man an eine Tür, in der ist ein Fenster, durch welches ein heller Lichtstrahl flutet. Öffnet man die Tür, so stehen in dem Raum Stühle und Tische. Wer es wagt, kann es einmal versuchen. 

 

Der Truchseß

Die Sage erzählt, daß der Truchseß von Obereßfeld und der Besitzer des Sternberger Schlosses Brüder waren. Der Truchseß von Sternberg baute sich ein großes Schloß und machte Schulden. Er bat seinen Bruder um ein Darlehen. Aber dieser verweigerte ihm das Geld. Während einer Jagd bei der Ursulakapelle soll der Sternberger Truchseß seinen Bruder mit der Armbrust erschossen haben.

 

Der Bildstock bei der Heckenmühle

Einmal ging ein Waldhüter (es soll der alte Herr Eschenbach gewesen sein) durch den Wald, um nach dem Rechten zu sehen. Bei dieser Tätigkeit wurde es sehr spät. Auf dem Heimweg sah er plötzlich zwischen Heckenmühle und Obereßfeld, da wo die großen Pappeln stehen, ein Feuer. Er überlegte, wer das wohl sein möge, und sah nach, wer dieses Feuer schürte.

Als der Waldhüter das kleine Feuer erreicht hatte, sah er niemanden. Mit seinem Stock stürte er in der Glut herum. Da erhielt er plötzlich von einem Unsichtbaren eine kräftige Ohrfeige, von der er ganz benommen war. Er wußte nicht mehr, wo er war. Die ganze Nacht irrte er draußen herum.

Erst am nächsten Morgen fand er wieder den Weg nach Hause. Er glaubte an eine höhere Fügung und ließ zur Erinnerung an dieses Ereignis an der betreffenden Stelle einen Bildstock errichten. Seit der Zeit ereignete sich dort nichts Merkwürdiges mehr.

 

Die Schafau

Einmal verspätete sich eine Frau bei ihrer Arbeit. Als sie heimwärts ging, sah sie plötzlich  einen Reiter ohne Kopf. Voller Schreck eilte sie nach Hause und erzählte es dem Bürgermeister. Dieser vermutete, daß es der frühere ermordete Schloßherr gewesen sein könnte.

 

Die Sauerwiesen

Man erzählt sich, daß an der Gemarkungsgrenze von Obereßfeld Geister mit großen Köpfen und dicken Büchern umherwandeln. Diese Geister finden keine Ruhe, weil sie die Grenzsteine falsch gesetzt haben. Zur Strafe müssen sie an dieser Stelle auf und ab gehen.

 

Die Ohrfeige im Birkig

Ein Mann wollte einmal seine kranke Mutter im Krankenhaus in Königshofen besuchen. Er packte sein Fahrrad und fuhr los. Es war sehr kalt. Als er am Birkig vorbeifuhr, schaute er zurück. Da sah er auf seinem Fahrrad ein Lichtlein. Er wollte danach schlagen, aber da bekam er plötzlich eine Ohrfeige, so daß er eine ganze Weile liegen blieb.

 

 

SERRFELD

 

Die Gründung von Serrfeld

Es war zur Zeit der Kreuzzüge. Eine Gruppe von 28 Adeligen hatte sich zusammengetan; denn gemeinsam wollten sie von vorne anfangen. Auf einem Kreuzzug hatten sie sich gefunden und getreulich einander geholfen. Glücklich kehrten sie wieder ins  Vaterland zurück. Aber in den Jahren ihrer Abwesenheit war in Fehden ihr Besitz zerstört worden. Dort hinter der Lederhecke fanden sie ein Gelände, das ihnen zusagte. Sie rodeten es und bauten sich Häuser. Serrfeld nannten sie ihr Dorf. Weil sich aber ihr Geschick nicht noch einmal wiederholen sollte, bauten sie an den Rand der Ortschaft eine feste Kirche und umgaben sie und den Kirchhof mit einer starken Mauer. An der Innenseite errichteten sie 18 Gaden, damit jeder in Notzeiten die Möglichkeit habe, sein kostbarstes Hab und Gut in die Kirchenfestung zu bringen.

Als Kriegsleute verstanden sie ihr Geschäft. Die Befestigung wurde so stark, daß sie die kommenden Zeiten bis auf den heutigen Tag überdauert hat.

 

Die gekreuzten Kornähren

Vor der Reformation war die Kapelle von Serrfeld ein gernbesuchter Wallfahrtsort. Eines Tages wurde in das Kirchlein eingebrochen. Alle heiligen Geräte wurden gestohlen, auch die Monstranz mit dem Allerheiligsten.

Auf dem Wege zum nahen Walde entnahmen die Diebe die Hostie dem heiligen Gefäß und schleuderten sie in einen Acker reifenden Kornes. Die Halme beugten sich jedoch kreuzartig und fingen die Hostie auf. In dieser Lage fand man sie nach einigen Tagen. Lange Zeit danach noch führte dieser Feldweg den Namen „Herrgottsweg“.

 

 

Als Serrfeld seine Wallfahrtskirche verlor

 

 

Serrfeld hatte früher ein weithin bekanntes wundertätiges Marienbild, zu dem die frommen Wallfahrer strömten. Eines Tages fiel es dem gräflichen Herren ein, protestantisch zu werden und auch die Serrfelder protestantisch zu machen. Jedoch die Wallfahrer wären ihm recht gewesen, da sie ihm reichlich Geld einbrachten.

Plötzlich war das wundertätige Marienbild verschwunden, so daß auch die Wallfahrten nach Serrfeld ausblieben. Allmählich erfuhren auch die frommen Leute, wo das Wunderbild hingekommen war: Engel hatten es weit über das Land nach Dettelbach getragen, wohin von damaliger Zeit ab auch die Wallfahrten gingen, so daß Dettelbach an die Stelle Serrfelds trat.

 

Die verknoteten Mähnen

Pfarrer Ludwig Röder hielt in seiner 1915 geschriebenen III. Sulzdorfer Pfarrbeschreibung fest: In einem Hause in Serrfeld kamen die Leute vor langer Zeit durch die Unruhe des Viehes aufmerksam gemacht, nachts in den Stall und fanden alle Mähnen der Pferde fest verknotet, vor. Die Urheberin des Schabernacks war eine Hexe, die in Gestalt einer schwarzen Katze davon sprang.

 

 

SCHWANHAUSEN

 

Vom alten Recht

Eifersüchtig wachen die fränkischen Bauern darüber, daß „kee neus Racht“ aufkommt. Alte Prozeßakten in den Gemeindetruhen wissen manches Stücklein hierüber zu berichten, und man lernt verstehen, wenn manche Bauern übertrieben vorsichtig wurden.

Darum ließen sich die Schwanhäuser, wenn sie bei der Herbstjagd alljährlich zum Hasentrieb aufgefordert wurden, dieserhalben regelmäßig die schriftliche Versicherug geben, daß dieses „freiwillig, jedoch ohne Folge einer Gerechtigkeit, nur bittweise geschehe.“

 

 - Haus der Familie Bauer in Zimmerau -

 

ZIMMERAU

 

Das kluge Bäuerlein und der dumme Teufel

Ein Bauer fand einstmals in einer Dörnerhecke ein Gläslein. Darin war ein kleines Männlein. Das rief immer: „Tu mich raus. Tu mich raus!“ Da ist der Mann hingegangen und tat den Pfropfen runter.

Das Männlein stieg heraus und war niemand anderes, als der Teufel. Er fragte den Bauern, was er gern haben möchte.  Einen Haufen Geld wünschte er sich freilich. Der Teufel sagte ihm, er solle alles Eisen auf den Äckern und beim Schmied auf einen Haufen zusammentragen. Wer war da flinker als unser Bäuerlein. Es war ein mächtiger Haufen.

Und der Teufel hat aus all dem Eisen lauter Gold gemacht. Da fragte der Bauer den Teufel, wie er eigentlich in das kleine Gläslein hineingekommen sei. Der dumme Teufel ist ins Gläsle hinein, und schnell machte der Bauer den Pfropfen wieder drauf. Er hat sein Geld genommen und ist fort und hat das Gläslein wieder unter die Hecke geschmissen.

 

 

Quellen und Literatur:

Hamm,Leo W.: Sagen des Kreises Königshofen, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Rhön/Saale, 1964;  

Ders.: Die drei verwunschenen Burgfräulein - Sagen und Legenden aus dem Grabfeld;

Aufzeichnungen der Lehrer Alois Hartmann (Sternberg), Rudolf Görlich (Obereßfeld)  Ullrich (Obereßfeld) sowie Alfred Pfister (Serrfeld).

„Frankenwarte“ 1931 - 1939;


Chronik der Gemeinde Sulzdorf an der Lederhecke


2 Bände, zusammen 860 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, herausgegeben von der Gemeinde Sulzdorf a. d. L. 1994 im Verlag Frankenschwelle(Hildburghausen)
 
Preis: 25  €, zu beziehen in der Gemeindekanzlei von Sulzdorf.

 
 

Sechs Ortsteile, nämlich Sulzdorf, Obereßfeld, Sternberg, Zimmerau, Serrfeld und Schwanhausen, dazu das romantische Wasserschloss Brennhausen gehören zur 1976 im Rahmen der Gemeindegebietsreform entstandenen Gemeinde Sulzdorf, im südöstlichen Grabfeld gelegen.

 

Im „Bücher-Journal“ der Tageszeitung Main-Post vom 18.1.1996 wurde die Sulzdorfer Gemeindechronik wie folgt beschrieben:

 

„Die kleine Grabfeld-Gemeinde Sulzdorf an der Lederhecke hat das Glück, unter ihren rund 1500 Einwohnern einen tüchtigen Heimatpfleger zu wissen. Der Kreisheimat- und Archivpfleger im Kreis Rhön-Grabfeld bescherte eine umfangreiche Gemeindechronik, beginnend bei der Vorgeschichte bis in unsere Tage. Man findet da nicht nur einen großen Überblick über Sulzdorfs Geschichte, sondern auch dessen Einordnung in das Gemeindegefüge des Grabfelds. Ausführlich werden alle Ortsteile beschrieben. Albert hat nicht nur umfangreiche Texte aus allen dörflichen Bereichen zusammengetragen, sondern auch über 700 Bilder, die zwei Bände füllen. Ein Musterbeispiel für Ortschroniken.“
 

 

Inhaltsverzeichnis

 

BAND 1

 

Zum Geleit / Vorwort   

I. Vor- und Frühgeschichte der Gemeinde Sulzdorf          

 

II. Geschichte von Sulzdorf

Aufstrebende Gemeinde an der Lederhecke       

Geheimnisvolle Lederhecke   

Urkundliche Ersterwähnung Sulzdorfs    

Die Wüstung Hürlbach

Sulzdorf und die Herren von Stein  

Einzug der Reformation in Sulzdorf         

Sulzdorf im Dreißigjährigen Krieg  

Der Kirchenbau von 1688     

Von Pfarrern in Sulzdorf       

Sulzdorf im Besitz derer von Guttenberg

Sulzdorf im 18. und 19. Jahrhundert       

Die jüdische Gemeinde Sulzdorf a.d.L      

Sulzdorfer Gastwirtschaften  

Sulzdorf im 20. Jahrhundert  

 

III. Geschichte von Obereßfeld

Die Wüstung Mitteleßfeld      

Obereßfeld vom 14.-16. Jahrhundert        

Die Truchseß von Obereßfeld          

Das Rotreisig und der Kemberg      

Das Obereßfelder Schloß       

Aus alten Gemeinderechnungen

Kirchen- und Pfarreigeschichte       

Gemeindliche Gebäude

Das Salzloch und die Heckenmühle          

Obereßfeld im 18. und 19. Jahrhundert    

Obereßfeld im 20. Jahrhundert       

 

IV. Geschichte von Sternberg       

Das freie Eigen am Sternberg und die Henneberger    

Bischof Berthold von Sternberg     

Wie Sternberg Würzburger Lehen wurde

Die Truchseß von Wetzhausen zu Sternberg      

1667/69 erfolgte der Neubau des Schlosses Sternberg        

Geschichte der Pfarrei Sternberg     

Sternberg Ende des 17. Jahrhunderts       

Die Dorfordnung von 1710   

Sternberg und die Freiherren von Guttenberg    

Sternberger Herrschaft wurde bayerisch  

Das Schloß im Besitz derer von Deuster  

Der Hof Hummelstadt  

Dörfliche Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert    

                  

V. Geschichte von Zimmerau                 

Die Schollen von Zimmerau                     

Zimmerau im 16./17. Jahrhundert                     

Kirchengeschichte von Zimmerau                      

Der Verkauf an die Herren von Guttenberg                

Der Trappstädter Rezeß von 1599  

Die Nürnberger Landstraße                      

Der Sellbach                          

Die Landwehr                        

Güterbeschreibung um 1800                    

Zimmerau im 20. Jahrhundert        

                  

VI. Geschichte von Serrfeld                    

Die Serrfelder Dorfordnung von 1433                        

Henneberger Güter in Serrfeld                  

Serrfeld im 17./18. Jahrhundert               

Die Serrfelder Kirchenburg    

Katholische Kirche in evangelischem Dorf                  

Dr. Annette Faber: Der spätgotische Flügelaltar in der Kirche Hl. Maria

Pfarreigeschichte von Serrfeld                  

Das Serrfelder Gemeindebuch                  

Serrfeld und die beiden Weltkriege           

 

VII. Geschichte von Schwanhausen                   

Der adelige Freihof                

Die St.-Veits-Kapelle             

Der Wiederaufbau Schwanhausens im 17. Jahrhundert                

Das Schwanhäuser Hofgut im 18. Jahrhundert           

Die Familie Schwanhäußer             

Schwanhausen und die Freiherren von Guttenberg             

Die Schwärzerzeit                  

Separatisten im Grabfeld                

Schwanhausen im 19. und 20. Jahrhundert                

 

VIII. Geschichte von Brennhausen                  

Die Truchseß von Brennhausen               

Franz Günter und Brennhausen               

Die von Bibra zu Brennhausen                

Der Streit um die kirchliche Zugehörigkeit        

Brennhausen im 19. Jahrhundert             

Beschreibung der Burg          

Brennhausen nach 1945                 

 

IX. Wappen der Gemeinde           

 

 

BAND 2

 

X. Denkmäler in der Gemeinde Sulzdorf        

 

XI. Die Gerichtsbarkeit in der Vergangenheit

Die Centgerichte

Die Patrimonialgerichte         

Gemeindegerichtsbarkeit       

 

XII. Schulgeschichte   

 

XIII. Postgeschichte    

 

XIV. Getreideernte im Wandel der Zeit

 

XV. Holzrechtler wahren bäuerliche Tradition        

 

XVI. Feldgeschworene sind wertvolle Helfer   

 

XVII. Einwohnerzahlen im 19. und 20. Jahrhundert       

 

XVIII. Flur- und Straßennamen der Gemeinde Sulzdorf

 

XIX. Die Kirchenglocken sind überaus wertvoll      

 

XX. Geschichte der innerdeutschen Grenze 1945 - 1990   

 

XXI. Das Haßberghaus       

 

XXII. Sagen aus Sulzdorf und seinen Ortsteilen      

 

XXIII. Erinnerungen           

Karl Wohlleben: Die Gumpershäuser Butterhöka und andere Hausierer

Ludwig Röder: Kirchliche Besonderheiten in Sulzdorf        

Maria Weiß: „Getanzt ham mer, wie der Lump am Stack'n!“        

Dr. Karl Rügheimer: Ein Schloß im Dorf 765

Eugen Hesselbach: Zur Kirchweihzeit spielte die Sulzdorfer Musik auf.

Richard Bucher: „Zimmerauer Bürchermästerwahl vo 1930“        

Dr. Peter Christian Zinkann: Auf dem Sternberger Gutshof

Alfred Pfaab: Das Dritte Reich und die Folgen  

Irmgard Silbersack: Der Einmarsch der Amerikaner im April 1945       

Walter Häusler: Der Reuthsee und seine Tücken        

Pfr. C. B. Hofmann: Jubiläumsfeier für einen tüchtigen Mäusefänger     

 

XXIV. Vereine in der Gemeinde Sulzdorf a.d.L



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