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Der Strohwisch – ein uraltes Rechtssymbol

 

 

Ein Strohwisch ist ein heute noch gültiges uraltes Rechtssymbol. Er verbietet  z.B. , dass Wanderschäfer mit ihrer Herde bestimmte Grundstücke betreten dürfen.

 
Bauern, die das Betreten ihrer Felder nicht wünschen, machten das mit einem aufgesteckten Strohwisch kenntlich. Noch in unseren Tagen ist er eine Art Verbotsschild für Schäfer und ihre Herden. Ein Strohwisch besteht aus einem Bündel Stroh, das an einer etwa einen Meter hohen Latte oder einem Holzstock befestigt ist. Er wurde und wird auch heute noch vereinzelt auf das Feld oder die Wiese gestellt.
Der Strohwisch ist ein uraltes Rechtssymbol und soll Wiesen und Felder vor der Beweidung durch wandernde Schafherden schützen. Der Landwirt will hierdurch seine Saat, Ernte, Zwischenfrucht oder Heuwiese schützen, der Jäger seinen Wildäcker. Der Strohwisch, u.a. auch Gewisch, Bannwisch oder Pfandschaub genannt, wird in unseren Tagen auch benutzt, um Flächen zu kennzeichnen, die aus Gründen des Naturschutzes nicht betreten werden sollen.
Doch der Strohwisch hatte auch noch andere Funktionen. In der Neustädter Gegend wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert festgehalten: Der „Acker oder Wiesen-Wüsch“ ist ein kurzer, gebundener Strohwisch, den man auf einen Stock setzt und auf den Acker oder die Wiese so einsetzt, dass ein unberechtigter Fußweg dadurch verboten, d.h. „gewüscht“ wird.
In früherer Zeit hatte dieser Wisch zudem etwa die Bedeutung des „Kuckucks“ des Gerichtsvollziehers: Wenn jemand den Zins seines Grundstücks nicht zahlen wollte oder konnte, so veranlasste der Gläubiger die Setzung eines solchen Wisches von der Gemeindebehörde. Es war damit amtlich das Betreten des Grundstückes durch jedermann verboten.
Im 1976 erschienenen Buch „Strafjustiz in alter Zeit“ ist vermerkt: „Der Strohwisch war ursprünglich kein Rechtssymbol, sondern Träger zauberischer Kraft zur Bannung böser Geister. Daraus erklärt sich auch seine Verwendung als Grenz- und Sperrungszeichen bei Grundstücken. Die Wandlung zum Rechtssymbol erfolgte aber schon im Frühmittelalter. So wurde der Strohwisch bei gerichtlichem Zwangsverkauf auf das Haus des überschuldeten Eigentümers gesteckt. Es fand Anwendung als Zeichen des Marktfriedens oder zur Kennzeichnung von verkäuflicher Ware (Besen- und Straußwirtschaften).“
Schon in der Lex Baiuvariorum, dem um 750 aufgezeichneten Volksrecht der Bayern, steht über den Strohwisch: „Wer aber ein Zeichen, das man gemäß alter Sitte zur Abwehr setzt, um einen unrechten Weg zu verschließen oder um Weideland zu sichern oder zu roden, wegnimmt oder zu Unrecht zerschneidet, büßt mit einem Schilling.“
Fuhrleute versahen früher übrigens bösartige Pferde ebenfalls mit einem Strohwisch als Warnung. Das Zeichen wurde, wenn es sich um einen „Schläger“ handelte, im oder am Schweif befestigt, und, wenn es ein „Beißer“ war, an Kopf oder Hals. 

 

Flurer überwachten das Verbot


Dieses Feldbetretungsverbot mit dem Aufstecken eines Strohwisches wurde einst von den Flur- oder Feldhütern überwacht. In unseren Gemeindearchiven befinden sich zahlreiche ortspolizeiliche Vorschriften, die sich mit der Nachlese auf den abgeernteten Feldern befassen. So wurde in einer ortspolizeilichen Vorschrift vom 1. Februar 1865 bestimmt:
1. Die Nachlese auf den Feldern, sobald dieselben gänzlich geerntet sind, ist in sofern gestattet, als der Eigentümer dies nicht ausdrücklich untersagt hat, was er durch Aufstecken eines Strohwisches im Falle anzudeuten hat.
2. Die Nachlese darf nur nach dem Gebetläuten am Morgen bis zum Gebetläuten am Abend vorgenommen werden. Sonn- und Festtage dagegen dürfen zur Nachlese nicht benutzt werden.
3. Das Begehen fremder Grundstücke in der Feldflur zu einem anderen Zwecke als zur Nachlese ist vom 1. Mai bis 1. November jeden Jahres untersagt, ebenso das Begehen der Raine zwischen den Grundstücken durch Nichtberechtigte.
Geht man in unseren Tagen an den abgeernteten Feldern vorüber und betrachtet, was an Feldfrüchten zurückbleibt, ungenutzt und ungeachtet, wandern die Gedanke zurück in jene Zeit, als das alles aufgesammelt und verwertet wurde. Diese Zeit wollen wir uns allerdings nicht zurück wünschen.

 


Auch nach der Kartoffelernte war den Dorfarmen die Nachlese erlaubt. Das Foto entstand 2008 bei der Kartoffelernte auf einem der zum Sternberger Schloss gehörenden Felder.


Woher kommt der Spruch: „Dem habe ich es aber gesteckt“?

Der Kleinbardorfer Lehrer Otto Mölter schrieb 1935: „Die Frühjahrssaat hat begonnen. Da muss der Bauer seine Äcker genau betrachten. Im letzten Jahr hat er in verschiedene Grundstücke Klee eingesät. Futterzeug braucht der Bauer notwendig, wenn er sein Vieh durchbringen will. Sobald die Ernte eingebracht und die Grundstücke frei waren, hat er sie 'versteckt'. Ganz einfach: Er nimmt einen 'Bohnenstecken', ca. 150 cm lang, spitzt ihn unten und oben mit dem Taschenmesser und versieht ihn oben mit einem Strohwisch, den er mit einer Schnur festgebunden hat und steckt diesen „Wüüsch“ gut sichtbar auf seinem Acker auf. Ist der Acker groß und unübersichtlich, so steckt er mehrere solcher Warnungszeichen auf dem Grundstück auf. Diese Zeichen gelten dem Schäfer, der im Flur seine Herde weidet. Äcker, die frisch mit Klee besamt sind, dürfen vom Schäfer nicht beweidet werden. Begegnet der Bauer dem Schäfer, so macht er ihn auch nochmals darauf aufmerksam, dass er einen Acker 'versteckt' habe und dass er ihn ja schonen möge. Wehe aber dem Schäfer, der dieses Zeichen missachten würde.
Es kommt aber auch vor, dass andere Bauern und der Schäfer dieses Warnungszeichen missachten. Da läuft der Bauer auch nicht gleich aufs Gericht. Er hilft sich zuerst einmal selbst und stellt den Schäfer bzw. den Bauern zur Rede. Bekennen sich diese schuldig, so hat's damit sein Bewen-den. Oft kommt es aber auch zu Auseinandersetzungen, dass der ganze Flur Zeuge dieser Streitigkeiten ist. Alle alten Sünden werden aufgedeckt. Auch dafür gebraucht man die bezeichnende Redensart: 'Dann hoo iechs ower amoel gschteckt!' Gut, wenn dadurch der Handel aus der Welt geschafft werden kann. 'Prozesskraamer' sind ja gewöhnlich nicht damit zufrieden und der Richter muss einschreiten und Recht sprechen. Dabei hält aber dann die ganze 'Sippe' zusammen und langjährige Feindschaft entspringt aus einem solchen 'Flurhannel'.“

 

Das Stupfelrecht

Einstmals gab es das sog. „Stupfelrecht“ der Jugend und der Armen, d.h., dass nach der Feldbestellung die liegen gebliebene Ähren oder Kartoffeln insbesondere durch die Dorfarmen eingesammelt wurden. Weiter ließ man an den Obstbäumen vereinzelt Früchte hängen, die dann mit Begeisterung eingeholt wurden, wobei auch die gutsituierten Knaben und sich auch die kletterlustigen Mädchen angesehenster Bürgerfamilien beteiligten. Nach Michaeli (29. September) konnte man oft den Satz hören: „Heut gänn mer naus Stupfeln!“. Ab diesem Tag waren alle noch an den Bäumen hängenden Früchte für die Jugend und die Armen freigegeben und sie zogen aus, diese zu ernten. Diese Nachlese an den Bäumen gönnte man der Jugend einst gerne. Das „Stupfeln“ gehörte zu den schönsten Jugenderinnerungen, erinnern sich Zeitzeugen. Allerdings mussten Bäume, die infolge der drängenden Feldarbeiten noch nicht geerntet waren, von den „Stupfelbuben“ verschont werden.
Es gab in alter Zeit viele Familien, die ihre Kinder auf die abgeernteten Felder zum Ährenlesen schickten. Auch manche Frau beteiligte sich an diesem mühseligen Sammeln. Die Felder durften aber erst betreten werden, wenn die Getreidehaufen abgefahren worden waren. Die gelesenen Ährenbündel wurden mit den längeren Halmen der Ähren zusammengebunden. „Gelesen“ wurden Roggen, Weizen, Gerste und Hafer. Sauber getrennt nach den einzelnen Getreidearten bündelte man die Ähren. Während man Gerste und Hafer mitsamt den Halmen dem zu Hause gehaltenen Federvieh als Futter vorwarf, wurden die Büschel mit Roggen- und Weizenähren vielfach mit dem Dreschflegel gedroschen und die gewonnenen Körner dem Müller zum Mahlen übergeben.
Einzelne Familie brachten so viel zusammen, erinnerte sich der ehemalige Stadtamtmann von Ostheim vor der Rhön, Hugo Schmidt, in einem Beitrag in den Rhön-Grabfelder Heimatblättern 1977, dass sie das Ausdreschen auf der Dreschmaschine vornehmen lassen konnten.
Es gab auch noch die Nachlese auf den abgeernteten Kartoffelfeldern. Beim Auspflügen blieb oft eine Kartoffelstaude mit den anhängenden Kartoffeln stecken, beim Auflesen wurden Kartoffeln übersehen oder ein danach einset-zender Regen hatte liegen gebliebene Erdäpfel freigewaschen. Diese Nachlese blieb dann den Leuten vorbehalten, die ins „Kartoffel-Ehren“ gingen, wie es einst hieß. Ausgerüstet mit Sack und Kartoffelhacken suchten sie die Felder ab und schleppten die mühsam gewonnenen Kartoffeln auf weiten Wegen nach Hause.

 

Reinhold Albert

 






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